6.4 Der Große Terror und der Zweite Weltkrieg

Подпись И.В.Сталина. Источник -книга Сталин И. В. Сочинения. Том 1.
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Urheber: Semenov.m7

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Signature_of_Joseph_Stalin.jpg

cc3 BY SA

6.4 Der Große Terror und der Zweite Weltkrieg

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1939 brach der Zweite Weltkrieg aus und 1941 erklärte Deutschland der Sowjetunion den Krieg. Zum zweiten Mal innerhalb von 27 Jahren befanden sich die Russlanddeutschen in einem militärischen Konflikt zwischen ihrer alten und ihrer aktuellen Heimat. Aber diesmal hatten sie mit Josef Stalin einen Staatsführer, der schon vor dem Krieg rücksichtslos und brutal gegen tatsächliche und eingebildete Feinde vorgegangen war. Diese Ausgangssituation sollte für die Russlanddeutschen zur wohl größten Katastrophe ihrer Geschichte führen.

1 Die Legende von der '5. Kolonne' und die verstärkte Unterdrückung der Russlanddeutschen

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Poster of the republican side of the Spanish Civil War
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Urheber: unbekannt

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Angriff aus dem Hinterhalt – Die 5. Kolonne in einer spanischen Karikatur von 1936

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum deutschen Reichskanzler ernannt. Es begann die Diktatur der Nationalsozialisten, die aus ihrem Hass auf den Kommunismus und ihren Plänen, 'Lebensraum' in Osteuropa zu erobern, kein Geheimnis machte. Bei den Machthabern in Moskau lösten diese Nachrichten aus Deutschland große Unruhe und Besorgnis aus. Das spürten auch die deutschen Kolonisten in der Sowjetunion. Der sowjetische Geheimdienst warnte immer mehr vor deutschen Spionen und den 'faschistischen Agenten' im Lande. Damit waren die Russlanddeutschen gemeint. Die Legende der sogenannten fünften Kolonne wurde geschaffen, also eines Feindes im eigenen Land, der wie eine Armeekolonne des Feindes handelt.

Wahrscheinlich glaubten viele Russen bald wieder daran, dass die Deutschen im Land 'illoyal' und 'reaktionär' seien und sich in einem Krieg zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion auf die Seite der deutschen Truppen stellen würden. Mit der zunehmenden Festigung der Macht der Nationalsozialisten in Deutschland verschärften die kommunistischen Machthaber ihre Maßnahmen gegen die Russlanddeutschen in der Sowjetunion. Ähnlich wie in der Zarenzeit wurden bald 'vorsorglich' die westlichen Grenzbewohner aus ihrer Heimat entfernt und nach Kasachstan deportiert. Der Druck auf alle Russlanddeutschen stieg in den 1930er Jahren ständig weiter an. Er mündete 1936 in Verhaftungen und Erschießungen wegen 'erwiesenen' Landesverrats.

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Quelle

Kampf gegen die 'fünfte Kolonne' (1934)

Hinweis: Das Zentralkomitee (ZK) der Kommunistischen Partei beschloss am 5. November 1934 eine Verordnung, in der alle Gebiets- und Parteikomitees verpflichtet wurden, die Deutschen streng zu behandeln:

Im ZK sind Meldungen darüber eingegangen, dass in den deutsch angesiedelten Regionen sich neuerdings antisowjetische Elemente aktiviert haben und offene konterrevolutionäre Tätigkeit führen. Unterdessen reagieren die örtlichen Parteiverbände und Organe des NKWD äußerst gelassen auf diese Tatsachen, sie leisten dem Vorschub, in der fälschlichen Annahme, unsere internationale Politik fordere diese Duldung gegenüber den Deutschen oder anderen in der UdSSR lebenden und gegen die elementare Loyalität gegenüber der Sowjetmacht verstoßenden Nationalitäten. Das ZK hält die Tatsache, dass in den deutschen Regionen nicht nur die Sprache der jeweiligen Sowjetrepublik, in der sich die Region befindet, nicht gelehrt wird, sondern die Verordnungen des ZK ignoriert werden, ebenfalls für absolut unzulässig und verlangt die Beseitigung dieser Mängel.

Das ZK hält solches Verhalten der Parteiverbände und der NKWD-Organe für absolut falsch und ordnet an, in Bezug auf die aktiven Konterrevolutionäre und antisowjetisch gestimmten Elemente repressive Maßnahmen, Verhaftungen, Aussiedlung anzuwenden und die böswilligen Anführer zum Erschießen zu verurteilen. [...]

Герман А. А., Немецкая автономия на Волге. 1918–1941, Часть 2: автономная республика. 1924–1941, Саратов 1994, С. 332–333. Übersetzt von Katharina Neufeld, Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte. Leicht vereinfacht von Lukas Epperlein, Digitale Lernwelten

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Quelle

Zeitgenössischer Bericht über die Situation der Deportierten in Kasachstan

Hinweis: Bei dem folgenden Bericht handelt sich um Angaben aus einem Schreiben des Vorsitzenden des Volkskommissariats der Kasachischen SSR, U. Isaev, an den Vorsitzenden des Rats der Volkskommissare der UdSSR, W. M. Molotov, in Moskau vom 27. April 1937.

In den Gebieten Karaganda und Nord-Kazachstan der Kazachischen SSR wurden in der zweiten Hälfte des Jahres 1936 14.048 Familien (vorwiegend Deutsche und Polen) aus grenznahen Gebieten der Ukraine angesiedelt. Die Ansiedlung dieser Familien erfolgte auf nicht erschlossenen Territorien, auf denen es bisher keine Siedlungen gab. Für diese wurden 37 Siedlungen neugegründet. [...] Die im Jahre 1936 erstellten Gebäude für Schulen und medizinische Einrichtungen entsprechen weder zahlenmäßig noch qualitativ den Mindestanforderungen. Außerdem gibt es überhaupt keine Gebäude für das Post- und Fernmeldewesen. Für größeres landwirtschaftliches Inventar, Traktoren, Mähdrescher und Hänger wurden einfachste Garagen errichtet, in denen lediglich kleinere Reparaturen durchgeführt werden können.

Alfred Eisfeld und Victor Herdt (Hg.), Deportation, Sondersiedlung, Arbeitsarmee. Deutsche in der Sowjetunion 1941 bis 1956, Köln 1996, S. 30 f.

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NS-Ideologie I Nationalsozialismus I musstewissen Geschichte
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https://www.youtube.com/watch?v=nyzCwtXqRv0

Zusammenfassung: Die Ideologie der Nationalsozialisten [09.07.2021]

2 Der Große Terror und die deutsche Operation

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§ PD

Notdürftig gesicherter, fast ruinöser Zustand der evangelischen Kirche in Marx (2015)

Die evangelisch-lutherische Kirche in Balzer (Goly Karamysch), erbaut 1851.
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Urheber: Виктор Бальцеров

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Evangelisch-lutherische_Kirche_Balzer_Baujahr_1851_Foto_ca_1931.jpg

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Evangelisch-lutherische Kirche in Marx, ehemals Katharinenstadt (vor 1917)

Stalin und sein Geheimdienstchef Nikolai Jeschow sahen bald überall deutsche Spione, die den Einmarsch deutscher Truppen vorbereiteten. Sie entschlossen sich, gezielt und umfassend gegen diese 'Gefahr' vorzugehen. Am 25. Juli 1937 startete die Operation sowjetischer Behörden gegen die deutschstämmigen Sowjetbürger. Auf Anweisung Josef Stalins wurden erst einmal alle aus Deutschland stammenden Bürger, die als Spezialisten in rüstungsrelevanten Fabriken, Kraftwerken und auf Großbaustellen arbeiteten, entfernt und verhaftet – ohne Ausnahme. Wenige Tage später wurde dieser 'Säuberungsbefehl' auch auf die russlanddeutschen Kolonisten angewandt. So wurden zum Beispiel Menschen verhaftet und erschossen, die Hilfspakete aus Deutschland angenommen hatten. Wer aus politischen Gründen von Deutschland in die Sowjetunion geflohen war, geriet unter Verdacht. Frühere Kriegsgefangene, deutsche Kommunisten, Besucher deutscher Konsulate – sie alle wurden verdächtigt, Spione zu sein. Auch die Rote Armee wurde von Deutschen 'gesäubert'.

Die Listen der sogenannten Staatsfeinde waren Ende des Jahres 1937 abgearbeitet, doch vermuteten Stalin und Jeschow, dass es noch mehr Spione geben müsse. Die Jagd ging deswegen bis zum September 1938 weiter. Und wenn keine 'Beweise' für einen Schuldspruch gefunden wurden, genügte für eine Verurteilung schon allein die deutsche Nationalität.

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Josef Stalin
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Urheber: Attribution: Bundesarchiv, Bild 183-R80329 / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-R80329,_Josef_Stalin.jpg

cc3 BY SA

Bereits in den 20er Jahren begann Josef Stalin, die bolschewistische Partei, aber auch die Sowjetunion als Ganzes von vermeintlichen Feinden zu säubern. Diese stalinistischen Säuberungen dauerten Jahre an und forderten mehrere Millionen Opfer.

There is a big mistake about the photo linked with the text about Vyshinsky. In the picture is not Radek, who was condemned at that trial, but only the prosecution, including Vyshinsky
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Urheber: unbekannt

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Radek%27s_action.jpg

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Als Erstes waren Stalins 'Parteifreunde' dran: Viele Kommunisten der ersten Stunde wurden in Schauprozessen des Verrats an der Revolution angeklagt und zum Tode verurteilt.

The first page of the list of 346 persons to be executed. Number 12 is Isaak Babel. Stalin's resolution:
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Urheber: Lavrentiy Beria/Joseph Stalin

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Execute_346_Stalins_resolution.jpg?uselang=de

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Dieses Foto zeigt eine Liste von 1940 mit Namen von Menschen, die für die Hinrichtung vorgeschlagen werden. Darüber hat Stalin, 'Ja' und seine Unterschrift gekritzelt. Die Liste geht auf den nächsten Seiten weiter und umfasst 346 Namen.

26. April 1938: Bitte um Erhöhung der Quoten im Rahmen des NKWD-Befehls Nr. 00447
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Urheber: Rolf Binner, Bernd Bonwetsch, Marc Junge

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bitte_Quotenerh%C3%B6hung_NKWD-Befehl_00447_aus_Gebiet_Irkutsk.jpg

PD

Aber nicht alle der Hinzurichtenden wurden namentlich ausgewählt. Oft wurden einfach 'Quoten' erlassen, in einem bestimmten Bezirk soundsoviele 'konterrevolutionäre Verbrecher' zu töten. Stalins Untergebene überboten sich oft im Erfüllen dieser Todesquoten. Hier siehst du ein Schreiben eines Beamten aus Irkutsk, der bittet, die Quote für seinen Bezirk um 4.000 Personen anheben zu dürfen.

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Darstellung

Das 'Gesetz des 1. Dezembers' 1934 als Grundlage der 'Großen Säuberung'

С.М. Киров на трибуне XVII съезда ВКП(б) | S.M. Kirow auf dem Podium des XVII. Kongresses der KPdSU (b)
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Urheber: Mikhail Mikhaylovich Kalashnikov

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sergei_Kirov_1934.jpg

PD

S.M. Kirow auf dem Podium des XVII. Kongresses der KPdSU, 1934

Am 1. Dezember 1934 wurde der führende sowjetische Politiker Sergei Kirow erschossen. Die Gründe für diesen Mord waren unklar. Manche Hinweise sprachen dafür, dass es sich um eine Tat aus Eifersucht gehandelt haben könnte. Gerüchte besagten, dass Kirow eine Beziehung mit der Frau des Mörders gehabt habe.

Stalin ließ diesen Mord zu einem politischen Attentat erklären. Er wurde zum Auslöser für die Verfolgung und Vernichtung möglicher, angeblicher Staatsfeinde. Und Stalin nutzte die Gelegenheit, um politische Gegner beseitigen zu lassen. Wenige Tage nach dem Attentat wurde das 'Gesetz des 1. Dezembers' erlassen: Es machte Vorgaben für den Umgang mit Terrorverdächtigen. Während der 'Säuberungen' kam es zur Anwendung:

  • Die gerichtlichen Untersuchungen sollten nicht länger als 10 Tage dauern.
  • Die Anklageschrift sollte Tatverdächtigen erst einen Tag vor der Verhandlung überreicht werden.
  • Eine Anhörung der Beschuldigten war nicht vorgesehen, auch keine Überprüfung des Urteilsspruchs.
  • Auch Gnadengesuche waren nicht zugelassen.
  • Eine Todesstrafe musste sofort vollstreckt werden.

Zusammengestellt von Michael Günther, Digitale Lernwelten, u. a. auf der Grundlage von Gesprächen mit Katharina Neufeld (Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte Detmold) und Victor Dönninghaus, Minderheiten in Bedrängnis, Sowjetische Politik gegenüber Deutschen, Polen und anderen Diaspora-Nationalitäten 1917–1938 (= Schriften des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Bd. 35), München 2009.

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Quelle

Befehl zum Beginn der Operation gegen die Deutschen (1937)

Durch Agentur- und Untersuchungsmaterial der letzten Zeit ist bewiesen, daß der deutsche Generalstab und die Gestapo in breitem Maße Spionage und Spionagetätigkeit in den wichtigsten und vor allem in den Betrieben der Verteidigungsindustrie betreiben und zu diesem Zweck die dort seßhaft gewordenen deutschen Staatsangehörigen nutzen. Das Agentennetz aus den Reihen der deutschen Staatsangehörigen, die bereits jetzt Schädlings- und Sabotageakte verwirklicht, richtet ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die Organisation von Sabotageaktionen in der Kriegszeit und bereitet zu diesem Zweck Saboteure vor. Zur vollständigen Unterbindung dieser Tätigkeit der deutschen Aufklärung befehle ich:

1. Innerhalb von drei Tagen nach Erhalt dieses Befehls die deutschen Staatsangehörigen genau festzustellen [...].

2. Ab dem 29. Juli dieses Jahres ist mit der Verhaftung aller von Ihnen festgestellten deutschen Staatsangehörigen zu beginnen, die in Militärbetrieben und in Betrieben mit Werkshallen für die Verteidigungsproduktion und bei der Eisenbahn arbeiten sowie der aus diesen Betrieben Entlassenen, wenn diese auf dem Territorium Ihrer Republik, Region oder Ihres Gebietes leben. Die gesamte Verhaftungsaktion ist innerhalb von fünf Tagen abzuschließen.

3. Deutsche Politemigranten, die in Militärbetrieben und in Betrieben mit Werkshallen für die Verteidigungsproduktion arbeiten, sind nur dann zu verhaften, wenn sie weiterhin deutsche Staatsangehörige sind. [...]

4. Die Untersuchung hinsichtlich der Verhafteten ist besonders sorgfältig zu führen. Es ist die bisher nicht entlarvte Agentur der deutschen Aufklärung aufzudecken, um das von ihr in den Industriebetrieben hinterlassene Sabotagenetz endgültig zu zerschlagen. [...]

5. Während der Untersuchung unter Sowjetbürgern oder auch Angehörigen anderer Staaten neu festgestellte deutsche Agenten und Spione, Saboteure und Terroristen unabhängig von ihrer Arbeitsstelle unverzüglich zu verhaften.

6. Gleichzeitig mit der Durchführung der Aktion ist daranzugehen, alle deutschen Staatsangehörigen, die in anderen Industriebetrieben, in der Landwirtschaft und in Sowjeteinrichtungen arbeiten, sowie ehemalige deutsche Staatsangehörige, die die sowjetische Staatsbürgerschaft angenommen und früher in Militärbetrieben oder in Betrieben mit Werkshallen für die Verteidigungsproduktion gearbeitet haben, sorgfältig zu erfassen. [...]

7. Täglich sind mir bis 12 Uhr für den vergangenen Tag telegraphisch der Verlauf und die Ergebnisse der Aktion und alle durch die Untersuchung erhaltenen Materialien zu übermitteln.

8. Der Befehl ist telegraphisch in Kraft zu setzen.

Volkskommissar des Inneren der Union der SSR
Generalkommissar für Staatssicherheit (N. Jeschow)

Gestapo: Die 'Geheime Staatspolizei' der Nationalsozialisten war eigentlich für die Verfolgung von politischen Gegnern in Deutschland zuständig. Der sowjetische Geheimdienst verdächtigte sie aber auch der Spionage im Ausland.

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Stalin - Große Säuberung - Der große Terror - Teil 1
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https://www.youtube.com/watch?v=d2bkS-SyqX4&feature=emb_title

Teil einer Doku über den stalinistischen Terror [09.07.2021]
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Darstellung

Die Unterdrückung betraf alle

Die Strafen waren ausgeführt, die potentiellen Gefahren schienen vorerst beseitigt, doch das Misstrauen blieb. Bereits 1937 mussten die Russlanddeutschen bei den Behörden als Nationalität Deutsch angeben. Im folgenden Jahr schritt der Staat zur Auflösung aller deutschen Rayons außerhalb des Wolgagebiets [...]. Die deutschen Kultur- und Bildungseinrichtungen erhielten Schließungsbeschlüsse, während die Schule und die Zeitung russisch wurden. Die Lehre in deutscher Sprache galt fortan als schädlich. Der Deutsche war insgesamt als vollwertiges Mitglied aus der russischen Gesellschaft abgetrennt worden.

Victor Dönninghaus, Minderheiten in Bedrängnis. Sowjetische Politik gegenüber Deutschen, Polen und anderen Diaspora-Nationalitäten 1917–1938 (= Schriften des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Bd. 35), München 2009, S. 573.

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Darstellung

Ein Historiker über die Wolgadeutsche Republik während der 'Säuberungen'

Das Ausmaß der Verfolgung in den 1930er Jahren erreichte in der Autonomen Sowjetischen Sozialistischen Republik der Wolgadeutschen (ASSRdW) bei weitem nicht die Dimensionen, die es unter den verstreut lebenden Landsleuten in der Ukraine, auf der Krim oder in Sibirien zu verzeichnen gab. Deutlich geht das aus der Tatsache hervor, dass den Aussiedlungen von Polen und Deutschen im Jahre 1936 aus den westlichen Grenzgebieten der Ukraine nach Nordkasachstan keine weiteren „Transfers" aus der Wolgarepublik folgten. Immerhin besaß die bolschewistische Führung vor dem Zweiten Weltkrieg noch gewisse Hemmungen, die Statusvölker – d. h. solche, die über ein autonomes Territorium verfügten – komplett zu entrechten.

Viktor Krieger, Personen minderen Rechts. Russlanddeutsche in den Jahren 1941–46, in: Heimatbuch der Deutschen aus Russland, Stuttgart 2004, S. 9.

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Der Russlanddeutsche Erwin Vetter berichtet über den Großen Terror
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© Digitale Lernwelten GmbH

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3 Der 28. August 1941 – Das Ende der Wolgadeutschen Republik

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„Über die Umsiedlung der Deutschen, die in den Wolga-Rayons leben“, 28. August 1941.
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© Präsidium des Obersten Sowjets, UdSSR

https://lexikon.wolgadeutsche.net/article/212

arrc

Der Befehl zur Deportation, wie er zwei Tage später in den russlanddeutschen Zeitungen stand.

Am 24. August 1939 wurde in Moskau der sogenannte deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt unterzeichnet. Die Russlanddeutschen schöpften Hoffnung. Wenn sich die Beziehung zwischen der Sowjetunion und Deutschland verbesserte, würde das auch ihre Lage verbessern.

Die Hoffnung war trügerisch, die deutschen Nationalsozialisten strebten weiter nach 'Lebensraum im Osten'. Am 22. Juni 1941 brachen sie den Vertrag und überfielen die Sowjetunion. Bereits wenige Tage später kam es zur Besetzung von Teilen der Ukraine. Stalin ging davon aus, dass die Russlanddeutschen mit der Wehrmacht zusammenarbeiten würden, wenn sie nur die Gelegenheit bekamen. Für ihn und die sowjetische Führung war die Zeit gekommen, ohne Rücksichtnahmen gegen die Russlanddeutschen vorzugehen: Alle Deutschen sollten aus dem europäischen Teil der Sowjetunion deportiert werden.

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Erklärung

Deportation

Deportation bedeutet staatlich angeordnete Zwangsumsiedlung. Bei einer Deportation werden meist größere Menschengruppen von Polizei oder Militär gezwungen, ihre Wohnorte zu verlassen, und an einen anderen Ort transportiert. Deportationen führen oft in Straflager oder in unwirtliche Gegenden. Opfer von Deportationen sind häufig ethnische, religiöse, politische oder wirtschaftliche Gruppen. 

Lukas Epperlein, Digitale Lernwelten

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Repressierte Jakob Fröse, Inv.Nr.: 2017/413
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© Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte, Detmold

https://issuu.com/russlanddeutsche/docs/mrk_katalog_fotos_hohe_aufl_sungtei_f74072827378f3

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Ein Häftlingsfoto des 1942 verhafteten und kurz darauf erschossenen Russlanddeutschen Jakob Fröse.

Mit dem Deportationserlass vom 28. August 1941 unterstellte die sowjetische Staatsführung den Wolgadeutschen, dass es unter ihnen tausende Verräter und Spione gäbe. Deswegen sollten alle Deutschstämmigen ausgesiedelt werden. Als Beweis für den angeblichen Verrat dienten Hakenkreuzfahnen, die man bei Russlanddeutschen gefunden hatte. Sie waren anlässlich eines vor dem Krieg geplanten Besuchs von Adolf Hitler in der Sowjetunion verteilt worden. Die Bestrafung für den Verrat betraf jeden, auch Kommunisten. Allein die deutsche Nationalität war entscheidend. Das deutsche Leben im gesamten europäischen Gebiet der Sowjetunion sollte ausgelöscht werden. Aus dem Wolgagebiet wurden innerhalb von drei Wochen etwa 400.000 Menschen in Eisenbahnwaggons gepfercht und nach Osten transportiert.

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Die Russlanddeutsche Swetlana Paschenko über die Deportationserfahrung in ihrer Familie
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© Digitale Lernwelten GmbH

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Der Russlanddeutsche Erwin Vetter über die Deportation seiner Familie
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© Digitale Lernwelten GmbH

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Quelle

Reaktionen der Russlanddeutschen an der Wolga auf die Deportation (2. September 1941)

Bei einem bedeutenden Teil der deutschen Bevölkerung hat die Veröffentlichung des Erlasses [vom 28.08.1941] feindselige Gefühle hervorgerufen: Äußerungen der Deutschen zum Erlass laufen hauptsächlich auf Versuche hinaus, die Behauptung zu widerlegen, die deutsche Bevölkerung verberge in ihrer Mitte Feinde des sowjetischen Volkes und der Sowjetmacht.

Hinweis: Auszug aus einem Brief des Sekretärs des Gebietskomitees der VKP (b) der ASSRdW, S. Malov an Stalin

Alfred Eisfeld und Victor Herdt (Hg.), Deportation, Sondersiedlung, Arbeitsarmee. Deutsche in der Sowjetunion 1941 bis 1956, Köln 1996, S. 60.

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Darstellung

Deutsche anderer Siedlungsgebiete im besetzten Einflussbereich der Wehrmacht

Einbürgerungsurkunde von Margarethe Penner, geborene Thießen
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© Johann Thießen

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NS-Einbürgerungsurkunde von Margarethe Penner, geborene Thießen. Sie stammte aus Nikolaifeld in der Sowjetunion, ging mit der deutschen Armee zurück und wurde nach dem Krieg in die Sowjetunion zurückgebracht. Sie war die Mutter von Johann Thießen, der heute Vorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland ist. Das Schicksal der Familie war hart. Die kleine zweijährige Schwester Johanns wurde der Mutter weggenommen. Die sowjetischen Behörden sagten ihr, die Kleine solle eine "anständige Erziehung erhalten und nicht die einer Verräterin." Die Mutter fand ihre Tochter niemals wieder, obwohl sie lebenslang nach ihr suchte.

Jene Deutschen, die nicht deportiert wurden, weil sie in das Einflussgebiet der vorrückenden deutschen Wehrmacht gerieten, sahen ebenso einem ungewissen Schicksal entgegen. Als die Rote Armee am Ende des Kriegs wieder vorrückte, gerieten die Deutschen in eine schwierige Situation. Sie konnten ja nichts dafür, dass die Wehrmacht ins Land eingefallen war, aber sie mussten befürchten, dass es ihnen sehr schlecht ergehen würde, wenn sie wieder unter sowjetische Herrschaft geraten würden. Also entschlossen sich viele, mit der zurückweichenden Wehrmacht ebenfalls zurückzugehen. Zunächst wurden sie ins deutsche Einflussgebiet in Polen geschickt, ins sogenannte Wartheland. Dort wurden viele Russlanddeutsche Ende 1944 sogar noch eingebürgert, bekamen also eine offizielle Einbürgerungsurkunde. Wahrscheinlich war vielen von ihnen im November oder Dezember 1944 bereits klar, dass diese Papiere des NS-Staates nichts wert waren. Als die Front vorrückte, ging auch die Flucht weiter. Nach Ende des Krieges wurden die Russlanddeutschen in der sowjetischen Besatzungszone wieder ausfindig gemacht und in die Sowjetunion zurückgebracht. Dort kamen sie wie viele andere Russlanddeutsche unter Kommandantur und mussten zum Teil schwere Zwangsarbeit leisten.

Marcus Ventzke, Digitale Lernwelten

4 Die neue 'Heimat' der Deportierten

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Als die neuen Siedler in Kasachstan und Sibirien eintrafen, waren die örtlichen Behörden nicht auf diesen Ansturm vorbereitet. Es mangelte an Unterkünften und Nahrungsmitteln. Viele Familien mussten sich selbst Erdhütten bauen, um den Winter zu überleben. Für ihre Arbeit in den Kolchosen erhielten die Russlanddeutschen 400 Gramm Getreide als Tageslohn. Diese Menge konnte den Bedarf einer Familie nicht decken.

Der Unmut gegenüber der Sowjetmacht wuchs. Diese verlor schließlich alle Sympathien, als die Zwangsumgesiedelten feststellten, dass der Staat sie um ihr Hab und Gut betrogen hatte. Vor der Abreise war den Russlanddeutschen befohlen worden, das Getreide, das Vieh und den Hausrat dem sowjetischen Staat zu überschreiben. Darüber hatten einige Quittungen erhalten. Und die sowjetischen Behörden hatten ihnen versprochen, dass sie diese Quittungen in den neuen Siedlungen gegen Nahrungsmittel eintauschen könnten. Das geschah aber nur in geringem Maße. Einige Monate später wurden die Quittungen schließlich für ungültig erklärt. Der Besitz war verloren.

Die Deportierten hungerten und waren nun gänzlich verarmt. Sie lebten unfrei und wurden auf Schritt und Tritt beobachtet. Ihr Schicksal verschlimmerte sich jedoch weiter: Im Januar 1942 verpflichtete der sowjetische Staat alle wehrpflichtigen Männer und bald auch die Frauen zur Zwangsarbeit in der sogenannten Trudarmee. Familien wurden auseinandergerissen. Viele Menschen sahen ihre Angehörigen für lange Jahre oder gar nicht wieder. In den Wäldern der sibirischen Taiga bemächtigte sich der Sowjetstaat ihrer Arbeitskraft und machte sie zu Sklaven. Viele starben an Entkräftung, Krankheiten oder an Nahrungsmangel.

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Urheber: Viktor Hurr

https://deutscheausrussland.de/2017/03/27/sonderkommandantur/

PD

Neuer Wohnort in Kasachstan, Bild des russlanddeutschen Malers Viktor Hurr

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Erklärung

Trudarmee

Das Wort ist eine Zusammensetzung aus dem russischen Wort für Arbeit ("Trud"; Труд) und Armee ("Armia"; армия). Die Trudarmee war eine Form von Zwangsarbeit. Sie bestand im Zweiten Weltkrieg seit 1941 und wurde 1946 aufgelöst. Viele Russlanddeutsche wurde in die Trudarmee gezwungen.
In der Trudarmee zu sein, bedeutete für die Trudarmisten, dass sie nach militärischen Regeln leben mussten, streng bewacht wurden und keine eigene Entscheidungsfreiheit hatten. Wer in der Trudarmee war, durfte den Ort nicht verlassen, hatte keine Bürgerrechte, durfte über seine Arbeit und sein Leben nicht selbst bestimmen.
Die Arbeit musste nach einer bestimmten Norm erfüllt werden. Dafür bekamen die Arbeiter eine bestimmte Menge Brot. Wer die Arbeitsnorm nicht erfüllen konnte, bekam sofort geringere Brotrationen. Dadurch starben viele Menschen sehr schnell.

Marcus Ventzke, Digitale Lernwelten

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Quelle

Der Wolgadeutsche Heinrich Wagner erzählt von der Zwangsarbeit

Wir wurden in Brigaden zu 30 Mann eingeteilt und drei Tage lang unterwiesen, wie man Bäume fällt, sie entastet, Stämme schneidet und sie zum Fluss hinunter abtransportiert. Wir erhielten Arbeitssachen, Steppjacken und -hosen sowie warme Stiefel. Zuerst war die Arbeit für alle außerordentlich schwer. Wir mussten uns zu Beginn schon sehr anstrengen, um die Tagesnorm zu schaffen. Die meisten von uns hatten bis dahin nichts mit Holzfällen zu tun gehabt.

Doch wer körperliche Arbeit gewohnt und gesund war, fuchste sich bald ein und hatte dann auch keine Schwierigkeiten mehr, die Tagesnorm zu schaffen. Anders war es für diejenigen unter uns, die aus der Verwaltungsarbeit kamen, schon älter oder kränklich waren. Sie schafften die Norm nicht. Das hatte zur Konsequenz, dass ihnen weniger Nahrung zugeteilt wurde. Sie wurden noch schwächer oder mussten auf die Krankenstation. Es gab Krankschreibungen und Arbeitsbefreiungen. Die medizinische Versorgung war schlecht, sie entsprach der allgemeinen Kriegssituation. Es gab nur wenige Medikamente. Das Hauptproblem bestand jedoch in der schlechten, schwer verdaulichen und vitaminarmen Nahrung. Wer ernsthaft krank wurde, hatte dann bei dieser Ernährung wenig Chancen, wieder zu genesen. Wir machten zwar im Lager einen „Teeaufguss" aus Kiefernnadeln und Birkenrispen. Große Bottiche standen damit in den Unterkünften. Doch diese Art von Vitamingewinnung reichte keineswegs aus. Besonders im ersten Jahr unseres Aufenthaltes im Lager starben viele.

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Quelle

Schilderung über den Nahrungsmangel im Arbeitslager

Hinweis: Briefe von Lagerinsassen wurden von Geheimdienstmitarbeitern kontrolliert. Es sollte nicht bekannt werden, wie die Verhältnisse im Lager wirklich waren. Manche Zwangsarbeiter flüchteten sich deshalb in lustige Schilderungen. Sie versuchten mit diesem Mittel, die Wahrheit 'zwischen den Zeilen' zu verstecken.

Fleischmann habe ich seit meiner Ankunft hier noch nie getroffen. Wo er arbeitet, ist mir nicht bekannt. Grützmann ist versetzt worden. Kartoffelmann treffe ich sehr selten, er hat nie Zeit für mich. Manchmal kommt mir Krautmann entgegen, doch schon lange vermisse ich Mehlmann und Nudelmann. Milchmann und Schmandmann wurden noch bei der Verladung in den Zug von uns getrennt. Wassermann und Arbeitsmann sind die einzigen, denen ich jeden Tag begegne. Ja, fast habe ich Brotmann vergessen. Er ist krank geworden, sieht schwarz und schwerfällig aus. […] Du kannst allen sagen, dass meine einzigen Freunde hier Hungermann, Läusemann, Wanzenmann und Arbeitsmann sind.
(Ein anonymer Verfasser an seine Frau)

Unbekannter Verfasser über das Leben im Lager. Zitiert nach: Dalos György, Geschichte der Russlanddeutschen von Katharina der Großen bis zur Gegenwart, München 2014, S. 210.

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Quelle

Bericht über das Massensterben im Zwangslager Wjatlag

28.643 Insassen beherbergte das Zwangsarbeitslager Wjatlag, zwei Jahre später war ihre Zahl aufgrund von zahlreichen Todesfällen und Schwerkranken auf 11.979 Menschen geschrumpft. Unter ihnen waren auch russlanddeutsche Männer und einige hundert Frauen. [...] [Das] verursachte maßgebend die minderwertige Ernährung (das Fehlen von Gemüse und Kartoffeln) und die Überanstrengung der vorhandenen Kräfte bei Verladearbeiten wegen des Defizits an Arbeitskraft […]. Infolgedessen befanden sich einzelne Verladebrigaden in den Monaten Februar bis März oft täglich 20 Stunden und länger an den Verladepunkten.

Arbeitslager
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© Viktor Hurr

https://deutscheausrussland.de/2017/03/27/trudarmee-zwangsarbeitslager-ii/

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Arbeitslager, Bild des russlanddeutschen Malers Viktor Hurr

Viktor Krieger, Ein erschütterndes Archivdokument über das Massensterben der Deutschen Zwangsarbeiter aus dem Jahr 1943, in: Dunkle Jahre, zum Gedanken an die Opfer des „Großen Terrors" und der Zwangsarbeitslager in der Sowjetunion, hg. von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e. V., Stuttgart 2012, S. 55 ff.

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Gelobtes Land Gehasstes Land - Die (vergessene) Geschichte der Russlanddeutschen
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https://www.youtube.com/watch?v=f5uRAsp6oC4

Ausschnitt aus einer Doku über das Leben in den Deportationsgebieten [09.07.2021]
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Darstellung 6

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Aus Zwangsarbeitern werden 'Sondersiedler'

Die Auflösung der Arbeitskolonnen sowie die Eingliederung der Zwangsarbeiter in die Betriebe und Bauorganisationen bedeutete 1945/1946 nicht die Wiederherstellung der Bürgerrechte.

Die Verbannten erhielten den Status eines Sondersiedlers und unterstanden fortan der Willkür der Sonderkommandanturen des NKWD. So durften sie weder die Arbeit noch den Wohnort frei wechseln. Meistens mussten die Deutschen auch weiterhin einfachste Schwerstarbeit im Kohlebergbau, in der Bauwirtschaft sowie in der Land- und Forstwirtschaft verrichten. Der Zugang zu Bildungseinrichtungen oder Reisen in den europäischen Teil der Sowjetunion wie auch selbst der Zugang zu medizinischer Betreuung unterlagen starken Beschränkungen.

Zumindest gestattete man ihnen die Zusammenführung ihrer verstreuten Familien. Gnade hatte der Sondersiedler auch zukünftig nicht zu erwarten. Das macht Stalin am 26. November 1948 deutlich, als er die Verbannung auf ewig festschrieb. Für jeden Russlanddeutschen ab einem Alter von 16 Jahren wurde jetzt eine Personalakte mit dem gesamten Lebenslauf angelegt. Er hatte sich fortan monatlich bei der Kommandantur zu melden und durfte ohne schriftliche Erlaubnis den vorgeschriebenen Wohnort nicht mehr als 5 Kilometer weit verlassen. Wer es doch tat, dem drohten 20 Jahre Straflager.

Michael Günther, Digitale Lernwelten

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Quelle

Aus Trudarmistin Ida Schmidt wird eine 'Sondersiedlerin'

Den 9. Mai 1945, den Tag des Sieges über den Faschismus, feierten wir ausgelassen. Wir hatten uns irgendwo Alkohol besorgt und waren fröhlich und ausgelassen. Wir sangen und tanzten auf der Straße. Nun, so glaubten wir, stände der Rückkehr zu unseren Familien und Verwandten nichts mehr im Wege. Doch wir hatten uns getäuscht. Die meisten von uns mussten bleiben. Wir, die Deutschen, durften nicht ohne Zustimmung den Arbeitsplatz und den Wohnort wechseln. Bis 1955 mussten wir uns bei der Polizei melden und waren Bürger zweiter Klasse.

5 Zusammenfassung

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Auf dieser Seite ging es darum, wie stalinistischer Terror und der Zweite Weltkrieg zum Ende der Wolgadeutschen Republik führten.

31 Terror Deportation Neue 'Heimat'
Poster of the republican side of the Spanish Civil War
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Urheber: unbekannt

PD

Stalin sah überall Feinde und Spione, mit der Machtübernahme Hitlers 1933 in Deutschland rückten die Russlanddeutschen aber besonders in sein Visier. Verhaftungen und Deportationen begannen schon früher, ab 1937 wurden völlig unschuldige Deutsche aber gezielt und in großer Zahl verhaftet und als Staatsfeinde hingerichtet.

Josef Stalin
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Urheber: Attribution: Bundesarchiv, Bild 183-R80329 / CC-BY-SA 3.0

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Am 28. August 1941, zwei Monate nach der deutschen Kriegserklärung, erließ Stalin den Befehl, alle Deutschen aus dem europäischen Teil der Sowjetunion zu deportieren. Viele Hunderttausend Menschen wurden aus ihren Häusern geholt und mehrere Tausend Kilometer nach Osten gefahren. Die Wolgadeutsche Republik hörte auf zu existieren. 

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Urheber: Viktor Hurr

https://deutscheausrussland.de/2017/03/27/sonderkommandantur/

PD

In Sibirien und Kasachstan wurden die deportierten Deutschen abgesetzt. Sie mussten sich größtenteils selber um ihr Unterkommen und Überleben kümmern. Die Behörden vor Ort stellten sie unter militärische Beobachtung und verpflichteten sie ab 1942 zur Zwangsarbeit in der Trudarmee.